
So sah "das Ding" noch vor zwei Tagen aus.

Irgendwem scheint es sehr geschmeckt zu haben.

Das war gestern.
..............................................und andere Lumineszenzen..............................................







Der Planet Jupiter ist nach Sonne, Mond und Venus das vierthellste Gestirn am irdischen Himmel. Jeder hat vermutlich schon Fotos gesehen seiner gestreiften Atmosphäre mit dem berühmten Roten Fleck. Jupiter wiegt mehr als doppelt soviel wie alle anderen Planeten unseres Sonnensystems zusammen. Ohne ihn gäbe es vielleicht kein höheres Leben auf der Erde.
Denn immer wieder geraten kapitale Brocken von Kometen und Asteroiden draußen im Kuiper-Gürtel aus ihrer Bahn und taumeln orientierungslos Richtung Sonne, wo sie dann Gefahr laufen, auf die Erde zu stürzen. Seit über 4 Mrd Jahren, während denen das Sonnensystem nun schon vor sich hinkreist, hat Jupiter mit seiner enormen Schwerkraft viele dieser kosmischen Vagabunden aufgesaugt und somit unschädlich gemacht.
Zudem sorgt er mit seiner Masse für gravitative Stabilität unter den Planeten, denn je massereicher ein System ist, desto schwieriger ist es aus der Ruhe zu bringen. Ohne ihn würde die Erde vielleicht längst Mars Gesellschaft leisten oder neben der Venus brutzeln.
Natürlich mag jeder seine eigene Meinung darüber haben, ob Jupiter nicht doch den einen oder anderen Kometen hätte durchlassen sollen, da hier auf der Erde ja so manches aus dem Ruder zu laufen scheint oder weil das persönliches Schicksal es an Prosperität nicht mit dem des Nachbarn aufnehmen kann.
Am derzeitigen Nachthimmel ist Jupiter sehr leicht zu finden. Zwar geht er erst um ca. 23 Uhr im Südosten auf, d.h. es kann durchaus 1 Uhr in der Nacht werden, bis man ihn über den Bäumen und Häusern entdeckt, aber dann ist er unübersehbar, weil das strahlendste Objekt weit und breit. Um halb drei Uhr erreicht er seine nächtliche Höchststellung genau in Südrichtung, ab dann beginnt er wieder dem Horizont entgegenzusinken. Wer ganz frühmorgens, wenn es noch nicht richtig hell ist schon zur Arbeit muss, kann ihn noch strahlend überm Südwesthorizont entdecken.
Man bedenke jedoch, dass er einen sehr flachen Bogen am Firmament beschreibt, ähnlich der Sonne im Winter. Selbst wenn er seine nächtliche Höchststellung im Süden erreicht, kann es gut sein, dass noch ein Baum davorsteht.
Es ist somit jedem unbenommen, nächtens vor die Tür zu treten, zu Jupiter aufzublicken und ihm ein tiefempfundenes „Danke, Jupiter, für Deine Mühen all die Jahre!“ entgegenzudenken. Oder, je nach Gemütslage und Verfassung, ein wutentbranntes „nun guck mal den Schlamassel hier an, und alles nur wegen Dir, Du ....!“
Er wird nicht nachtragend sein.
...Es musste das gelbe Pappelblatt sein, das dort auf dem grünen Teppich der gestutzten Grashalme lag. Dabei war es noch nicht einmal Mitte Juni, der Herbst noch in weiter Ferne. Ich schaute hinauf in die Krone der Pappel. Dunkelgrün, frühlingssatt glänzend, fast glitzernd, zitterte das Laub im Wind, doch immer noch unhörbar, jedenfalls für meine ansonsten guten Ohren.
„Wo bin ich?“, fragte wieder das Stimmchen, das ich mehr spürte als hörte.
„Es ist so still“
Ich räusperte mich. Was sollte ich sagen? Ich blickte mich nochmals um. Nein, es gab keinen Zweifel. Ich hörte die Stimme, oder vielmehr die Gedanken eines gefallenen Pappelblattes. Es war nicht sehr groß, vielleicht halb so lang wie die anderen, gewöhnlichen Blätter, die jetzt noch zu tausenden ein dichtes Laubdach bildeten zu meiner Rechten.
„Wer bist Du?“, fragte plötzlich das Stimmchen und riss mich aus meinen geometrischen Betrachtungen.
„Wer....Ich.....?“ stotterte ich und fühlte mich fast ein wenig ertappt. Dabei hatte ich allen Grund, etwas verwirrt zu sein.
„Ja, Du!“
„Ich....ich bin Cugel“, sagte ich endlich. Und in Anbetracht dessen, dass ich mich mit einem Pappelblatt unterhielt, fügte ich hinzu: „Und ich bin ein Mensch“.
„Ein M´nsch? Was ist das?“
„Ein Mensch ist ein Wesen aus Fleisch und Blut“, fiel mir ein, und ich betonte das Wort Mensch mehr als nötig, gerade so, als würde ich eine Deutschstunde halten. Im selben Moment war mir das auch schon peinlich. Aber mein Faux pas schien nicht bemerkt worden zu sein, oder es wurde großzügig darüber hinweggesehen.
Inzwischen hatte ich mich von der Bank erhoben und mich neben das Pappelblatt ins Gras gesetzt, mich abermals fast verstohlen umblickend, als täte ich etwas Verbotenes.
Es war ganz normales Laub. Na ja, es war gelb, und das im Frühling, aber ansonsten konnte ich nichts Ungewöhnliches entdecken. Gleichzeitig fragte ich mich, was ich eigentlich erwartete, während ich es mir eingehend ansah. Womöglich ein Gesichtchen? Augen? Ein Mund? Immerhin sprach es zu mir. Doch nicht über meine Ohren, soviel hatte ich inzwischen begriffen.
Ich fasste nach dem Stiel, vielleicht war ja auf der Unterseite etwas zu sehen.
„Ohhhh“, fiepte das Stimmchen.
(wird fortgesetzt)
Ich saß unterm Balkon auf der uralten, selbstgezimmerten Bank. Nicht von mir gezimmert natürlich, sondern von meinem Vater. Sie mochte nun so alt sein wie ich selbst, mindestens, wenn nicht noch älter.
Zu meinen Füßen begann die Wiese, die jedoch jetzt eher wie ein Rasen aussah. Ich hatte sie am Tag zuvor erst gemäht.
Ich las in einem sonderbaren Buch: „Starfish rules“. Es spielt Ender der 30er Jahre d.v.J. (des vorigen Jahrhunderts) in den USA. Die Zeitlinie ist jedoch eine andere. Die staatlichen Strukturen zerfallen, Chaos und Anarchie breiten sich aus, die Schwarzen erheben sich und ziehen mordend und plündernd durch das Land, sich an den Weißen rächend. Krankhafte Psychopathen erheben sich, fahren ihre blutige Ernte ein unter den Augen der überforderten Polizei. Europa steht unter der Fuchtel der Nazis, welche sich anschicken, die Weltherrschaft an sich zu reissen. Zwischen all dem ein deutscher Widerstandskämpfer, oder vielmehr ein Widerstandsmitläufer, der den Schlauch des Äolus von den Nazis raubte, damit diese sich nicht dieser angeblichen atmosphärischen Superwaffe bedienen können. Er bekommt Anweisung, den Schlauch auf einem Friedhof in Baltimore zu vergraben, wo er schließlich von einer Art marodierendem Jesus wieder hervorgeholt wird.
Jedes Kapitel ist in einer anderen Schrifttype gedruckt, manchmal hat man Mühe, flüssig durchzulesen, so verschnörkelt sind manchmal die Buchstaben. Bei einem Kapitel musste ich die Seiten sogar quer lesen, der Text war in Form einer faksimilierten Zeitungsseite abgedruckt. Sehr verwirrend, ich rätsele immer noch, wo da der Sinn sein sollte. Visualisiertes Chaos?
„Huch“
Ich blickte auf. Hatte irgendjemand etwas gesagt? Niemand war in der Nähe, kein Laut war zu hören. Ganz weit oben in der mächtigen Schwarzpappel bewegten sich ein paar Blätter, doch der Wind war zu schwach, um auch nur das sachteste Rascheln zu verursachen. Eine Hummel brummte vorüber, vermutlich enttäuscht über die kahlgeschorene Wiese. Ich wandte mich wieder meinem Starfish zu.
„Wo bin ich?“
Diesmal hob ich nicht den Kopf, sondern schaute nur verstohlen von unten herauf um mich. Da war niemand. Aber ich hatte mich ganz sicher nicht getäuscht. Die Stimme war mir völlig unbekannt. Und obwohl keineswegs geflüstert, war es die leiseste und feinste Stimme, die ich je gehört hatte. Ihr Alter war unbestimmbar. Doch aus welcher Richtung kam sie? Ich war mir nicht sicher. Aus irgendeinem unbestimmbaren Grund schien ich meinen Ohren in diesem Falle nicht trauen zu dürfen. Ich hatte eigentlich immer ein ausgezeichnetes Gehör, Richtungen zu bestimmen fiel mir nie schwer. Doch diesmal war es anders.
„Hallo?“
Die Wiese. Zu meinen Füßen.
Meine Gedanken, zuvor ungeordnet wie eine Kindergartengruppe beim Sommerfest, begannen um eine Sichtachse zu kaleidoskopieren, die unmißverständlich auf eine Stelle wies allerhöchstens zwei Meter von der Bank entfernt.
Es lag dort ganz unscheinbar.
(Fortsetzung folgt...)