Über mich

Samstag, 23. Oktober 2010

Moment


"Nein Nein Nein!"

"Doch Doch Doch!"

"Nein Nein Nein!"

"Doch Doch Doch!"

Erstauntes Umgucken

"Wir werden belauscht"

"Mist"

Gehen ab. Man hört fernes Türenknallen



Mittwoch, 13. Oktober 2010

Sonntag, 10. Oktober 2010

Hoch auf dem gelben Wagen



Das Jahr rast wie von Sinnen auf sein Ende zu. Doch der Kutschbock ist viel zu hoch um herunterzuspringen. Also bleibt nichts zu tun als alibimäßig etwas an den Zügeln zu zerren und zu rucken und mit der Gerte auf das Jahr einzuschlagen, was seltsame flupp-flupp-Geräusche verursacht. Es scheint dem Jahr jedoch nichts auszumachen, es trotzt und leidet eher fischig, doch nach wie vor rasend und irre vor Geschwindigkeit.
Auf der gefährlich schwingenden und schlingernden Deichsel hat sich ein seltsames Schleimwesen niedergelassen, durchsichtig, doch mit grünen und blauen Schlieren durchsetzt, die in undeutbaren Mustern mäandern. Jetzt formen die grünen Schlieren einen verblüfften, offenen Mund. Die blauen scheinen ein Dreieck zu bilden und Quadrate.

"Vermutlich der Satz des Pythagoras", sagt eine Stimme neben mir.

"Passagieren ist der Aufenthalt auf dem Kutschbock untersagt!", belle ich der Gestalt neben mir ins Gesicht, während ich wichtigtuerisch an den Zügeln zerre.

Die Gestalt ist ein Typ, etwa halb so alt wie ich aber doppelt so gut aussehend, schlank und vollkommen nackt. Seine kurzen braunen Haare sind gerade lang genug um noch im Fahrtwind zu flattern. Er hat Mühe, sich festzuhalten, und offensichtlich gehörigen Respekt vor der Höhe und der Geschwindigkeit. Ich frage mich, wie er es überhaupt geschafft hat, während der Fahrt hier hochzukommen.

"Die anderen haben mich heraufgeschickt um aufzupassen, dass Sie nicht abspringen", sagt er fast entschuldigend und als ob er meine ungestellte Frage gehört hätte.

"Tun Sie immer, was andere von Ihnen verlangen?"

"Einer musste es ja tun. Wir haben gelost; ich habe verloren." Seine Stimme scheint mir etwas unsicher. Hat er etwa Angst? Vor mir oder davor, selbst herunterzufallen?

"Und wieso haben Sie nichts an?" frage ich nun und mustere demonstrativ seine Nacktheit.

"Es ist verboten, auf dem Kutschbock Kleidung zu tragen, das wissen Sie doch!" sagt er mit einem verständnislosen Unterton, den ich als eine Spur zu unverschämt empfinde.

Doch dann sehe ich an mir selbst hinab und mir wird plötzlich bewusst, dass auch ich keinen einzigen Faden am Leib trage. Vor Schreck, aber mehr noch aus schierer Überraschung fallen mir beide Zügel aus den Händen und flattern nun vor meinem Gesicht in der Luft.

"Verdammt!", stoße ich hervor und beginne unwillkürlich, mit der Peitsche auf meinen Sitznachbarn einzuschlagen. Aufgrund seiner Nacktheit ist er meinem Angriff schutzlos ausgeliefert. Er versucht, mit seinen Händen und Armen sein Gesicht zu schützen, entblößt dabei jedoch andere empfindliche Teile seines Körpers. Obwohl ich es nicht beabsichtigt habe, treffe ich trotzdem mehr als einmal auf seinen Unterleib, woraufhin er seine Arme senkt und nun sein Gesicht entblößt. Gleichzeitig versucht er, sich von mir wegzudrehen, doch um eine Winzigkeit zu weit. Er verliert den Halt und kippt vom Kutschbock hinab in den Fahrtwind. Ich höre keinen Schrei. Ich sehe nach hinten, aber nichts ist zu sehen. Nur grau-weisses Gewaber. Mit einiger Mühe gelingt es mir, die Zügel wieder zu fassen. Ich klemme beide in meine linke Hand und drehe mich nach hinten. Mit dem Knauf meiner Peitsche hämmere ich auf das Dach der Kabine ein, die sich schräg hinter und unter dem Kutschbock befindet. Dann schreie ich:

"Will noch jemand hochkommen?"

Keine Reaktion. Ausser dem Brausen des Fahrtwindes in meinen Ohrmuscheln ist kein Laut zu hören.
Die Schlieren in dem Schleimwesen zucken jetzt aufgeregt.



Freitag, 8. Oktober 2010

Frankensteins Layer


Sehnsucht, die gegen schwarze Felsen
brandet und bricht
Deep down in the djungle die Affen feiern
ein Fest tanzend und singend mit glänzend
rotgeschwollenen Ärschen
Weiter im Norden der Herbst versprüht
sein Honiglicht, es sickert und fächelt durch
Bäume und über Haut.
Ein Gedicht entfachen, sich daran zu wärmen
und erschrocken zurückweichen
blass vor Schrecken doch ergeilt vor Wonne
Was hat man getan?
Draußen die Hütte fast vollkommen zugewuchert,
der Eingang nur noch zu erahnen
am Weg der durch Heckenrosen führt.
Die Kreatur brütet noch benommen um sich
schlagend und irre werdend vor Juckreiz an
den Schrauben im Hals.
Brown Sugar Rum und Lemongras auf Eis



Samstag, 25. September 2010

Es kommt direkt auf mich zu


Kleinen Bäumchen, deren spärliches, gelbrot gefärbtes Herbstlaub leise vor tiefblauem Sonnenhimmel klappert und raschelt, kann man sich nur torkelnd nähern, Wahnsinn und Monsterhaftigkeit simulierend, am besten noch lebhaft knurren und mit den Armen rudernd. Dann auf die Knie fallen und die Stirn aufs warme Gras drücken.


Donnerstag, 23. September 2010

Wenn´s regnet (IV)



"Sie konnte sie spüren"

"Sie?"

"Ja. Die Welt. Sie konnte die Welt spüren. Tief drinnen."

"Ich spüre die Welt auch. Den Fahrtwind, den Regen, die Kälte. Ich glaube, ich spüre sogar die Dunkelheit."

"Sie konnte spüren, wie sich die Welt fühlt"

"Oh, das war bestimmt nicht sehr angenehm. Die Welt fühlt sich bestimmt beschissen."

"Nein. Sie sagte immer, die Welt fühle sich beseelt. Und wohlig."

"Seltsam. Aber wer ist überhaupt `sie´? Von wem reden Sie?"

"Meine Liebste. Sie hatte auf dieser Straße einen Unfall. Vor genau einem Jahr. Es war genau dasselbe beschissene Wetter, dieselbe Nacht. Ich glaube, es war sogar derselbe Planet."





Montag, 20. September 2010

Klebriges Ende


Wenn man in der langsam Kraft gewinnenden Morgensonne sitzt und seinen Morgentee mit Honig genießt, dann ist natürlich auch die erste Wespe nicht weit. Um ihrem ermüdenden Unterfangen, so lange um das Honigglas herumzubrummen, bis sie eine Stelle zum Eindringen findet, ein Ende zu setzen, lasse ich einen kleinen Klecks Honig auf ein abgefallenes Pappelblatt triefen und lege es in einigem Abstand neben mich auf die Bank. Die Wespe fliegt hin, setzt sich auf das Blatt und saugt gierig am Honig. Ihr Hinterleib zuckt in ekstatischer Verzückung. Sie fliegt weg, und ich warte auf ihre Kameraden. Eine kommt angeflogen, aber die ist schon etwas irre, brummt taumelnd wie die Hand eines Dirigenten über dem Honigklecks hin und her, dann zu mir, um das Honigglas, ich verscheuche sie. Wieder zum Honigklecks, wieder ein paar Mal hin und her, dann platscht sie mitten in den Klecks hinein, beginnt zu saugen und zu zucken. Als sie merkt, dass sie über alle Pfoten im Modder steckt, wird sie etwas nervös und versucht zu starten, lange bevor sie satt ist. Sie schafft es, fliegt davon. Vermutlich hat sie noch ein paar Tage zu leben, ehe sie programmgemäß sterben wird. Ich fände es unheimlich bescheuert, meine letzten Tage mit klebrigen Extremitäten verbringen zu müssen. Ihre Vorderbeine kann sie ja ablecken, aber den Rest? Unangenehme Vorstellung.


Donnerstag, 9. September 2010

Mittwoch, 8. September 2010

Wie ich mir als Kind die Hölle vorstellte




Sie schwebte etwa auf halbem Wege zum Himmel hinauf. Meistens, eigentlich immer, guckte der Teufel etwas gelangweilt, während er so unter dem Eingang stand. Das Innere war mit roter Stepppolsterung ausgekleidet, die an das Mobiliar in vornehmen englischen Clubs erinnerte.
Tatsächlich war sogar das Innere des Raketenprojektils auf diese Weise ausgekleidet, mit welchem der britische Held einer Jules Verne-Verfilmung zum Mond fliegen wollte.
Die Form der Hölle hatte jedoch keinerlei aerodynamischen Gründe. Es ist sicher kein Zufall, dass sie frappierend der Kanzel in der Kirche ähnelte, in welcher ich als Kind regelmäßig die Sonntagsmesse besuchen musste. Allerdings wurde sie vom Pfarrer nicht mehr benutzt, er predigte von einem Stehpult aus, das vorne neben dem Altar stand.




Dienstag, 7. September 2010

Schöne Welt


Ein Wort zu finden
nur ein allererstes
und es hinsagen und
auf die Reise schicken

Ein Wort nur oder zwei
darauf gebettet
ein erster kleiner Gedanke
kühn und golden im
groben Wellengang die
Welt erkundend

Lärm!

Der Pöbel erhebt sich.
Murrend und gurgelnd und zuckend
einen Mob gebärend mit einem Leib
wie tausend Kettensägen und einem
Gestank nach Hölle und Schrankwand.

An der Küste ein kleiner Gedanke
nach Meer und Veilchen duftend
hoch auf die Klippen geschmettert
die Aussicht genießend völlig
unversehrt, gar lüstern noch.

Die Menschenwalze sich selbst
zermahlend hinter dem Horizont nur
zu erahnen, der Wind ist gnädig
trägt Schreie und Gerüche fort von hier.




Donnerstag, 2. September 2010

Mittwoch, 1. September 2010

Venus am Abend

Für all diejenigen, die Venus nochmals sehen wollen, ehe sie ihr diesjähriges Gastspiel als Abendstern beendet, wird es höchste Zeit!
Es ist zwar noch nicht lange her, nämlich erst am 20. August, da erreichte sie ihren von der Erde aus betrachtet größten Winkelabstand zur Sonne, nämlich knappe 46°. Nun wird der Winkel täglich kleiner, wie man auf nachfolgender Skizze sehen kann.




Die Abstände der Umlaufbahnen sind maßstabsgetreu, auch haben Erde und Venus fast den gleichen Durchmesser. Insgesamt sind die Planeten und die Sonne natürlich viel zu groß dargestellt.
(Das ungehobelte Benehmen des peitschenschwingenden, gepiercten und latexgeschnürten Aliens bitte nicht weiter beachten. Er fühlt sich dadurch lediglich noch mehr angespornt und aufgestachelt
)

Auf der Skizze kann man auch erkennen, dass Venus zur Zeit noch "links" von der Sonne steht. Auf einen irdischen Beobachter übertragen bedeutet das, Venus folgt der Sonne am Himmel nach. Geht die Sonne unter, folgt Venus ihr in entsprechendem Abstand. Beträgt der Winkel Sonne-Erde(Beobachter)-Venus 46°, steht Venus bei Sonnenuntergang noch relativ hoch über dem Horizont. Je kleiner der Winkel jedoch wird, desto tiefer findet man Venus über der Horizontlinie nachdem die Sonne untergegangen ist.
Venus umrundet die Sonne näher als die Erde, ist also einer höheren Anziehungskraft ausgesetzt. Um dennoch nicht in die Sonne zu stürzen, benötigt sie daher eine höhere Fliehkraft, die der Anziehung der Sonne entgegenwirkt. Ihre Bahngeschwindigkeit ist schneller als die der Erde. Daher überholt sie die Erde immer wieder auf der "Innenbahn", wandert also zwischen Erde und Sonne hindurch. Am 29. Oktober ist es wieder soweit. Diese Stellung nennt der Astronom "untere Konjunktion", im Gegensatz zur "oberen Konjunktion", wenn Venus von der Erde aus gesehen genau hinter der Sonne steht.
Wer also die Venus in den nächsten Tagen nochmals sehen will, der merke sich die Stelle, wo die Sonne untergegangen ist. Dann misst man bei ausgestrecktem Arm etwa die Breite von vier Fäusten entlang des Horizonts nach links, und dann etwa eine Faustbreit nach oben. Spätestens eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang und bei freier Sicht kann Venus dort entdeckt werden.