..............................................und andere Lumineszenzen..............................................
Mittwoch, 24. Juli 2013
Up!
Die Tage füllten sich einer nach dem anderen mit heisser Luft und erhoben sich in die Vergangenheit. Ganz Mutige, oder man könnte auch sagen, die ganz Tollkühnen hielten sich manchmal zu lange an den Halteseilen fest und blickten bald bestürzt nach unten, in tödliche Tiefen. Dann gab es nur noch eine Rettung: von Zeit zu Zeit stürzte sich ein Gleiter der Aliens von der Stratosphäre herunter, hielt das Seil fest und zwickte es oberhalb des verrückten Seilklammerers durch. Dann schwebte der Gleiter, im Idealfall, nach unten und setzte das Menschlein wieder in der Gegenwart ab. Manchmal, und tatsächlich gar nicht mal so selten, stieg der Gleiter nach der vermeintlichen Rettungsaktion jedoch senkrecht oder in Girlandenlinien weiter nach oben, viel schneller als der Tag selbst es tat und verschwand mit seiner Last im tiefen Blau des Quasiweltraums. Niemand dieser auf so geheimnisvolle Art Geretteten wurde jedoch jemals wieder gesehen, auch nicht als gefrorene, zerschmetterte Leiche.
Der Typ, der schließlich die ersten Festhaltehilfen für sportlich weniger Begabte erfand wurde Millionär. Mittels seiner Klammerhilfen konnten sich sogar Großmütterchen und Armamputierte an die Halteseile der Heißlufttage anheften und nach oben in die Vergangenheit tragen lassen oder in die verheißungsvolle Ungewissheit einer Existenz unter Aliens.
Montag, 15. Juli 2013
Schöne neue Welt
Das Flugabwehrgeschütz feuerte und streute angekokelte Patronenhülsen auf das herbstliche Blumenbeet wie Kümmel auf einen elsässischen Flammkuchen. Der Schütze trägt eine Coco Chanel-Umhängetasche und Adidas-Badeschlappen.
Blauer Himmel, blaue Stunde, Sterne, müde vom scheinen.
Ein Silvester später, oder eineinhalb, Zieharmonikamusik bis die Ohren bluten. Zähflüssige Zeit quillt über den Boden, man muss sich leicht dagegenstemmen um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Ich lasse die leere Bierflasche fallen, mit dem Hals nach oben treibt sie in dem schimmernden Brei von mir weg, langsam schwankend und schaukelnd. Sterne, die müde sind vom scheinen.
Das Schmatzen von Füßen in nassen Schuhen lässt mich aufhorchen. Es ist ein Kind, das sich über das Hochwasser freut. Sauber und klar schwappt es über die Stufen, es besteht noch keine Gefahr. Schöne weite Welt. Ich träumte vom Half-Dome in Kalifornien und Cumuluswolken, auf unsichtbaren Luftschichten treibend. Überhängender Fels über tausend Meter hohen Abgründen schlürft Sehnsucht wie ein Bettelmönch seine Graupensuppe.
Und doch bin ich nicht darauf hereingefallen, ich ging sehenden Auges den Pfad des gehobenen Irrsinns und war zudem noch befremdlich erregt. Dann ruhte ich mich aus und sagte nichts. Jedes Wort wog tausend Tonnen an diesem seltsamen Ort, an dem die zeit Tango zu tanzen schien mit diesem Typ aus dem Zug nach Basel, der, obschon gut gekleidet, keinen Fahrschein zu besitzen schien. Die Scheibe des Zugabteils schmierig von meiner Stirn.
Die Sterne, müde es ewigen Scheinens, fallen einer nach dem anderen vom schwarzen Himmel und verglimmen zu meinen Füßen. Ich muss aufpassen nicht darauf zu treten und setze vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Manche Sterne liegen zu Kissen gehäuft oder zu kleinen Dünen zusammengeschoben von diesem klaren Nachtwind. Mir wird schwindelig von diesem vergehenden Glühen unter meinen Füßen, über mir ist nun alles dunkel und schwarz. Die Welt hat sich gedreht, die Dinge fliegen fort von hier.
Vom Himmel hoch segelte ein neuer Zombie knurrend und um sich schlagend an seinem Fallschirm am Balkon vorbei. Namensuchmann machte einen weiteren Strich auf seiner Liste und ging zurück in den Wohnraum mit dem riesigen Fernseher. Seit zwei Stunden lag der Nachrichtensprecher nun schon reglos auf seinem Tisch, doch niemand im Fernsehstudio schien sich darum zu kümmern. Niemand schaltete die Kamera aus oder zog den Stecker.
Namensuchmann nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank und kehrte auf den Balkon zurück. Die Zombies an den Fallschirmen taumelten wie grunzende Riesenschneeflocken vom klaren Nachthimmel.
Blauer Himmel, blaue Stunde, Sterne, müde vom scheinen.
Ein Silvester später, oder eineinhalb, Zieharmonikamusik bis die Ohren bluten. Zähflüssige Zeit quillt über den Boden, man muss sich leicht dagegenstemmen um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Ich lasse die leere Bierflasche fallen, mit dem Hals nach oben treibt sie in dem schimmernden Brei von mir weg, langsam schwankend und schaukelnd. Sterne, die müde sind vom scheinen.
Das Schmatzen von Füßen in nassen Schuhen lässt mich aufhorchen. Es ist ein Kind, das sich über das Hochwasser freut. Sauber und klar schwappt es über die Stufen, es besteht noch keine Gefahr. Schöne weite Welt. Ich träumte vom Half-Dome in Kalifornien und Cumuluswolken, auf unsichtbaren Luftschichten treibend. Überhängender Fels über tausend Meter hohen Abgründen schlürft Sehnsucht wie ein Bettelmönch seine Graupensuppe.
Und doch bin ich nicht darauf hereingefallen, ich ging sehenden Auges den Pfad des gehobenen Irrsinns und war zudem noch befremdlich erregt. Dann ruhte ich mich aus und sagte nichts. Jedes Wort wog tausend Tonnen an diesem seltsamen Ort, an dem die zeit Tango zu tanzen schien mit diesem Typ aus dem Zug nach Basel, der, obschon gut gekleidet, keinen Fahrschein zu besitzen schien. Die Scheibe des Zugabteils schmierig von meiner Stirn.
Die Sterne, müde es ewigen Scheinens, fallen einer nach dem anderen vom schwarzen Himmel und verglimmen zu meinen Füßen. Ich muss aufpassen nicht darauf zu treten und setze vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Manche Sterne liegen zu Kissen gehäuft oder zu kleinen Dünen zusammengeschoben von diesem klaren Nachtwind. Mir wird schwindelig von diesem vergehenden Glühen unter meinen Füßen, über mir ist nun alles dunkel und schwarz. Die Welt hat sich gedreht, die Dinge fliegen fort von hier.
Vom Himmel hoch segelte ein neuer Zombie knurrend und um sich schlagend an seinem Fallschirm am Balkon vorbei. Namensuchmann machte einen weiteren Strich auf seiner Liste und ging zurück in den Wohnraum mit dem riesigen Fernseher. Seit zwei Stunden lag der Nachrichtensprecher nun schon reglos auf seinem Tisch, doch niemand im Fernsehstudio schien sich darum zu kümmern. Niemand schaltete die Kamera aus oder zog den Stecker.
Namensuchmann nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank und kehrte auf den Balkon zurück. Die Zombies an den Fallschirmen taumelten wie grunzende Riesenschneeflocken vom klaren Nachthimmel.
Mittwoch, 10. Juli 2013
Namensuchmann verschickt ein Paket
Die Segel waren fein säuberlich zu handlichen Paketen verpackt. Jahrelang waren die Winde der sieben Meere dagegen angestürmt, oder hatten sich wie verliebt in das grobe Leinen eingeschmiegt. Namensuchmann erinnerte sich genau, wie seine Hände nach Salzwasser gerochen hatten nachdem er die Segel fein säuberlich zusammengefaltet und mit den diversen Schutzhüllen umgeben hatte: Seide, Nylon, Kevlar und zuletzt mit Gold bedampftes Aluminium. Darüber befand sich dann nur noch die weisse Verkleidung der ziemlich klobigen, weißen letzten Stufe der Zubringerrakete.
Er schaute über die Schulter. Die Gegenwart stand wie ein umgedrehter Vulkan direkt auf der kleinen Vorebene, wo einst das Haus gestanden hatte. Etwas schien aus der kopfüber stehenden Spitze hervorzusprudeln. Etwas, das anfing zu dampfen und zu qualmen wenn es mit normaler Atemluft in Kontakt zu kommen schien. Oben, wo sich die breite Basis der Gegenwart in den Wolken verlor, waren kleine, glitzernde Lichtpunkte zu sehen, die sich wie an einer Perlenkette aufgereiht um den monströsen Koloss wanden. Namensuchmann holte sein astronomisches Fernglas aus seinem Rucksack und betrachtete sich die Szenerie etwas genauer. Nun konnte er bunte Lampions erkennen, die dort oben, fast in der Stratossphäre, hingen und blinkten.
Etwas vibrierte im Boden unter dem Startturm. Es war Zeit. Höchste Zeit. Namensuchmann schnallte sich seinen Basejumpfallschirm um, überprüfte die Gurte und Schlösser, und sprang in die Tiefe, weg vom Startturm. Hinter ihm erhob sich ein infernalisches Fauchen und Brüllen, das sich langsam erhob und in grollenden Donner überging. Die Rakete musste einen flacheren Bogen als normal fliegen, um der überhängenden Gegenwartsbasis hoch oben in den Wolken auszuweichen. Dann war nur noch ein rötlich schimmernder Feuerschein über den fedrigen Cirruswolken zu sehen.
Die Segel werden sich gut machen, dort oben, auf dem Ozean unter dem pechschwarzen Himmel, dachte Namensuchmann, als er sich nach einem geeigneten Landeplatz weitab des Gegenwartsvulkans umsah.
Blindschleiche, Regenwurm verspeisend
Da es immer noch Menschen geben soll, denen ich nachfolgende Fotos noch nicht via FB oder Mail aufgedrängt habe, nachfolgend also eine kleine Kurzdoku über das Fressverhalten der gemeinen Blindschleiche.
Normalerweise liegt es mir natürlich fern, jemanden beim Essen zu stören, im vorliegenden Falle musste ich die Schleiche aber vor der Sense retten.
Samstag, 22. Juni 2013
Wichtig ist die Rose
"Du hast eine Haut wie ein Baby", sagt sie, während ihre Hand auf meinem Bauch ruht. Ihre Finger bewegen sich, grabbeln um meinen Bauchnabel um ihre Worte zu unterstreichen. Ich denke an Gilbert Bécauds "L´important, c´est la rose" und das Video, das ich kürzlich im Inet gefunden hatte.
Die Tonqualität ist schlecht, doch auf eine Art schlecht, die mich wohlig erschauern lässt. So ähnlich muss sich ein Zeitreisender anhören, der aus fernen Zeiten eine Botschaft in die Gegenwart herüberrufen möchte. Oder muss. Weil er gefangen ist oder die Welt vor einer gefährlichen Kurve warnen muss. Gedämpft. Aus einer vergangenen Zeit. Aus Paris. Dem schwarzweißen Paris, mit Haaren unter den Armen und starken Zigaretten und Rauch und Kaffee auf kleinen runden Tischchen. Ein Paris des Begehrens und des Begehrtwerdens. Chansons von Bécaud und Piaf, zum auswendiglernen schön.
Die Zeit dreht sich nun etwas, driftet, wie schwerelos unter diesem Himmel, in den man fallen könnte ohne Aufschrei und ohne Reue. Ja, da ist dieser Körper, der in dieser Phase ohne Zeit fast durchscheinend wirkt, wie eine Projektion von einem entfernten Ende des Universums, durch unglaubliche, haarsträubende Zufälle neben mich hingespiegelt, Worte und Berührungen aussendend, duftend und warm.
"L´important, c´est la rose, l´important, c´est la rose, l´important, c´est la rose, croi moi"
Mittwoch, 12. Juni 2013
Gehversuch
Die Nacht war leise, fast lautlos. Das einzige Geräusch war das fast flatternde Lodern der Flammen. Der Wind schlug wie mit einer Riesenfaust das kleine Feuer mal in diese Richtung, dann wieder in die andere. Doch die kleine Sandkuhle, in der Namensuchmann es entfacht hatte, bot genügend Schutz sodass es nicht erlosch. Der weiße Sand leuchtete matt im Sternenlicht, doch ob Wüste oder Strand, das wusste Namensuchmann zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Am Himmel, nahe des Ochsentreibers, war der kleine gleissende Punkt der fernen Erde zu erkennen.
Namensuchmann starrte in die Flammen und spürte ihre Wärme an seinen nackten Füßen. Der Wind war kühl und roch nach Zeit, die zu lange an einer rauhen Stelle der Gegenwart hängengeblieben war. Wenn die Sterne vor ihrem nachtschwarzen Hintergrund zu tanzen begangen schaute er auf und versuchte, den Kurs des vorbeifliegenden Schiffes zu erahnen. Sie waren durchsichtig, die Schiffe der Aliens, man sah sie nur, wenn man nicht direkt hinsah, sondern knapp daran vorbei. Wieder eines, lautlos, und es flog in Richtung Erde. Namensuchmann zog seine Jacke enger um sich und grub seine Zehen etwas weiter in den warmen Sand. In der Kühltasche war noch Bier, abgefüllt in richtigen Flaschen aus braunem Glas. Namensuchmann öffnete den Kronkorken und schnippte ihn über den Rand der Sandfläche, wo er in einem hohen, aufsteigenden Bogen ausser Sicht taumelte. Er prostete dem kleiner werdenden Alienschiff hinterher und leerte die Flasche fast mit einem Zug.
Sonntag, 26. Mai 2013
Meine Güte, voll erwischt
Vielen Dank an die unermüdlichen Besucher, die immer mal wieder in diesen Blog reingeschaut haben. Die Erklärung für die lange Pause ist einfach: eine ungewöhnliche, in ihrer Intensität seit Jahrzehnten nicht mehr registrierte Windteufelaktivität.
Zur Erinnerung bzw. zum Nachlesen:
http://mondlichter.blogspot.de/2009/01/der-kluge-hausmann-wei-rat.html
Vermutungen, wonach die Ursache in einer globalen Katastrophe auf Epsilon Eridani zu suchen ist entbehren jedoch jeder Grundlage und sind reine Spekulation.
Im Moment scheint die Seuche jedenfalls auf dem Rückzug zu sein und mit einiger Zuversicht darf ich sagen, bald wieder öfters zu posten!
Moves
Zur Erinnerung bzw. zum Nachlesen:
http://mondlichter.blogspot.de/2009/01/der-kluge-hausmann-wei-rat.html
Vermutungen, wonach die Ursache in einer globalen Katastrophe auf Epsilon Eridani zu suchen ist entbehren jedoch jeder Grundlage und sind reine Spekulation.
Im Moment scheint die Seuche jedenfalls auf dem Rückzug zu sein und mit einiger Zuversicht darf ich sagen, bald wieder öfters zu posten!
Moves
Dienstag, 26. März 2013
Sternschnuppen unter meinen Füßen
Namensuchmann trat aus der Haustüre, hielt sich aber noch am Türrahmen fest denn die Nacht war riesig. Sie erfüllte einen Raum, so dunkel und groß, dass die Sterne darin wie verlorener Goldstaub in einer Waschpfanne glitzerten. Ein Schrei wäre wohl möglich gewesen, aber die Gefahr, dass auch er sich ins Gigantische aufblähen würde war Namensuchmann zu groß. Er dachte an die Trompeten von Jericho, die mit ihrem Lärm die Stadtmauern zum Einsturz gebracht hatten. Was vermochte dann ein Schrei anrichten, wenn er in diesen aberwitzigen dunklen Raum entlassen würde?
Der Sog war auszuhalten und nicht stärker als Namensuchmanns Gewicht. Er ließ also den Türrahmen los und stieg die Haustreppe hinunter. Er merkte ganz genau, dass er nicht mehr sein gewohntes Gewicht auf die Stufen brachte. Der harte Beton der Treppe fühlte sich wie weicher Gummi an.
Auf dem Kies der Zufahrt beugte er ein Knie und berührte mit der flachen Hand den Boden. Die Welt erzitterte sachte, wie in Verzückung, und verschwand.
Mittwoch, 6. März 2013
Nur mal so
Die beiden Türflügel stehen weit offen. Doch unter der gläsernen Schwelle sind funkelnde Galaxien gefangen, die sich langsam zu drehen scheinen. Dazwischen Sternschnuppen, die aus der Tiefe emporfliegen aber spurlos verschwinden, ehe sie von unten gegen die Schwelle stoßen. Sollte ich einfach drüberhüpfen? In den Raum dahinter springen? Oder lieber ganz sachte auf die Galaxien treten? Es wäre möglich. Nur mit Socken, ohne Schuhe, dann müsste es möglich sein. Sternenkribbeln unter den Fußsohlen. Wärme vielleicht, von den Gedanken ganzer Zivilisationen aus unendlich fernen Zeiten. Ich schaue hinein in den warmen Raum jenseits der Sternenschwelle. Ein Feuer prasselt in einem großen, gemauerten Kamin, dahinter ein raumhohes Fenster. Dahinter Schnee und Wälder und Berge.Ich sage mein Gedicht auf.
Sonntag, 17. Februar 2013
Sand und Schnee
Der Schnee fällt von den Ästen; weiße Gischtgestalten, funkelnd und glitzernd im Sonnenlicht, fliehen aus den Bäumen wie Gespenster auf der Suche nach Frieden.
Gleichzeitig diese Lichtbrühe im Hirn, die über eine schräge Wüste schwappt und Übelkeit verursacht, mit Motels im Hintergrund und Kakteen. Hinter den Kakteen, etwas abseits, ein alter Stromliniencaravan. Davor zwei Pfosten mit einer unbehängten Wäscheleine. Ich wünschte, ich könnte dort sitzen und Bier aus Riesendosen süffeln, in Cowboystiefeln mit schiefem Absatz, um meine Füße in die Erde zu stemmen gegen das Abrutschen. Die leeren Bierdosen könnte man einfach so ins Nichts schnippen, oder sie über den Rand dieser schrägen Welt rollen lassen.
Das Geräusch des Sandes, wenn er aus der Welt rieselt und im Nichts verschwindet, das trockene Rascheln der heimatlosen Tumbleweed-Büsche, wenn sie sich überlegen, vor dem Rand nochmal aufzuhoppsen oder gleich in hohem Bogen ins Nichts zu segeln, das alles schmeichelt meinen Ohren.
Freitag, 18. Januar 2013
Schnee, aber nicht heute
Und der Himmel atmete leise, kaum vernehmbar,
unter seinem Hauch träumte ich ein Leben, doch
niemals träumte ich von dir.
Donnerstag, 20. Dezember 2012
Ein Morgen wie jeder andere
"Dies ist eine schöne Art zu schreiben; ich glaube, das wird meine neue Handschrift", notierte Namensuchmann oben auf die letzte Seite seines Notizbuches.
"A night filled with space", singt Van Morrison in "Real real gone".
Eine Nacht gefüllt mit so viel Raum, dass er noch halb für den nächsten Tag reicht und mit der genau hierfür abgemessenen Menge Zeit drückte unbarmherzig auf Namensuchmanns Körper wie eine dicke Katze, die sich nachts ins Zimmer schleicht und sich wohlig füßelnd auf ihrem schlafenden Menschen zusammenrollt.
Namensuchmann wälzte sich auf die Seite, fegte die Nacht von sich herunter und versuchte, sich zu erinnern. Das war nicht leicht, denn die Frau, die neben ihm in den Kissen lag war ihm gänzlich unbekannt. Doch schön war sie, sehr sogar, und duftete nach Salz und Tang. Ihre Haut war so schimmernd glatt und vollkommen, dass Namensuchmann unvermittelt anfing wie von Sinnen zu schreien. Schweiß brach ihm aus allen Poren und wie ein Baby musste er immer wieder inne halten um Luft für den nächsten Schrei zu sammeln. Die ersten Speichelfäden trieften ihm aus den Mundwinkeln, doch das alles spürte er nicht. Was er spürte war das unsägliche Verlangen, sich die Augen aus den Höhlen zu reissen, sie auf seiner Brust auszudrücken und den Inhalt großflächig auf der Haut zu verreiben.
Die plötzliche Schwärze war absolut, und gleichzeitig schien auch jede Luft aus dem Raum verschwunden zu sein. Weiteres Atem holen unmöglich, und keine Moleküle mehr, um den Schall zu transportieren. Dafür Schneeflocken auf nackter Haut wie eisige Nadelstiche, pervers kalter Fels zwischen und unter seinen Fingern. Unendlicher Raum verhüllt von unendlicher Schwärze. Nackte Knie auf etwas hartem, kantigem wie Eis weit unter dem Gefrierpunkt. Augen fest zudrücken und an etwas Schönes denken, überlegte sich Namensuchmann mit der Gelassenheit eines Zen-Meisters nach fünf Flaschen Weihnachtsfestbier. Eine milde Frühlingsbrise auf vor Wärme britzelnder Haut schien schließlich ein gutes Zeichen zu sein die Augen oder was von ihnen übrig war wieder zu öffnen.
Licht.
Er konnte sehen. Seine Augäpfel waren noch an Ort und Stelle, da wo sie hingehörten. Rund um Namensuchmann herum einige schneebedeckte Gipfel, in der Sonne glänzend. Drunten Täler, bunte Wälder, es war vermutlich Herbst, dort unten. Eine Aussicht wie von einem Kitschkalender, Namensuchmann begann zu würgen und hätte sich vermutlich übergeben, wenn er in demselben Moment nicht urplötzlich von diesen absurd lauten Trommelschlägen getroffen worden wäre. Lärm gegen Brechreiz, wer hätte das gedacht. Allerdings wusste er nicht, wann er zuletzt etwas gegessen hatte, zum kotzen hätte er also eh nichts im Magen gehabt. Wumm-Wumm-Wumm-bummbumm.
Immerhin trug er noch seine Shorts, und in der Oberschenkeltasche fand er tatsächlich sein kürzlich neuerworbenes Galaxy. Das GPS meinte, der felsige Zacken, auf dem er sich befand gehörte zum Jungfraujoch. Er rief die Trommelschiff-App auf. Gestern noch kreuzte es vor Portugal, doch laut Anzeige hatte es mittlerweile den Golf von Biscaya fast durchquert in nördlicher Richtung. Glücklicherweise war die App bereits auf ihn konfiguriert. Unter den harten Schallschlägen wäre es schwierig gewesen, Angaben wie Geschlecht, Schuhgröße, Lieblingsfarbe, Blutgruppe, bevorzugte Biersorte oder Lieblingsstern einzugeben. So brauchte er nur auf "Text anzeigen" zu tippen und konnte nachlesen, was das Trommelschiff ihm zu sagen hatte:
"NIEMALS MÜDE GEHEN OHNE ERROR"
Namensuchmann drückte auf "auto aufzeichnen" und hielt sich die Ohren zu.
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