..............................................und andere Lumineszenzen..............................................
Dienstag, 12. März 2019
Dienstag, 5. März 2019
Wind, Sand und ein Glas Bier
Mein
Haus mein Haus
hat
schräge alte Mauern
doch
sie stehen stark und dick
aus
alter Zeit
Heere
zogen in den Krieg
durch
mein Haus
durch
mein Haus
Die
Mauern hielten und schwiegen
und
schwankten nie während
ich
schlief und ruhte
und
träumte in den Mauern
Namensuchmann
fühlte den vom vergangenen Tag noch warmen Sand unter seinem nackten
Hintern. Die Nacht war sternenklar und mild.
Oben
trieb der Engel rücklings schwebend durch die Stratosphäre. Mit
seinem guten Fernglas konnte Namensuchmann sehen, dass der Engel ein
großes Glas Bier auf seiner Brust balancierte. Wo war die Flasche
dazu? Oder der Zapfhahn? Und wieso konnte Namensuchmann von unten auf
die Engelsbrust sehen? War der Engel in Wahrheit ein Neutronenstern,
dessen gesamte Oberfläche aufgrund der Raumkrümmung fast komplett
zu sehen ist, auch wenn man sich nicht um ihn herumbewegt? Das hielt
Namensuchmann für einigermaßen unwahrscheinlich, dafür war er
schon zu oft nur auf Armeslänge von dem Engel entfernt gewesen ohne
von dessen Schwerkraft eingesaugt zu werden. Es musste eine andere
Erklärung geben.
Derweil
Zombie oben in der Umlaufbahn seine Runden drehte, immer noch sanft
von der längst untergegangenen Sonne angestrahlt. Sein marsrotes
Glühen stand dabei in schönem Kontrast zur weißblau strahlenden
ISS, die ihm immer noch um einige Bogengrad vorausflog. Aber er holte
auf.
Nein
Nein Nein. Eine knusprige Schale aus degeneriertem Elektronengas?
Fuck off, bloody creepy Neutronensterne, man kann alles übertreiben!
Mein
Haus mein Haus
mit
seinen schrägen alten Mauern
steht
wie ein fauler Zahn
auf
dem Berg Bingotzdameh.
Ich
verstecke mich im Gebälk,
derweil
unten riesige Heere
durchziehen
in den Krieg.
Das
Haus vibriert fast unmerklich
im
Wutdunst und der Panik
der
Soldaten.
Angst,
zu fallen zu fallen zu fallen
Mein
Haus mein Haus
mit
dicken schiefen Mauern
auf
Fundamenten die einst
ganze
Himmel trugen
Die
Himmel sind vergangen
die
Mauern geblieben
ich
zog ein und zimmerte
ein
Dach aus Holz und Licht
Droben
schweb ich nun im Stillen
während
unten die Heere durchziehen
in
ferne Kriege durch mein Haus
durch
mein Haus
Lanzen
und Gewehre
Bogen
und Raketen
ein
Rasseln wie ein krankes Herz
durch
mein Haus
Durch
mein Haus
weht
Sternenlicht wie Sumpfnebel
ich
knüpfe und nähe mein Segel
aus
Staubfahnen und Träumen
Mein
Haus mein Haus
mit
Mauern dick wie Zyklopenbeine
Namensuchmann
platzte der Kragen:
„ICH
SCHEISSE AUF DEINE HÜTTE EINEN RIESENHAUFEN, WENN DU JETZT NICHT MAL
FÜR FÜNF MINUTEN DIE KLAPPE HÄLTST!“
Stille.
Der Nachtwind wehte kleine Sanddünen um Namensuchmanns nackten
Hintern. Die Marschlieder, das monotone Dröhnen der Kampfstiefel und
das Klappern der Rüstungen waren verklungen. Er sank nach hinten und
legte sich lang in den Sand. Oben trieben seine Freunde.
Freitag, 1. März 2019
Donnerstag, 28. Februar 2019
Das gute Bier
Das Frühlingslicht gleisst wie losgelassen über den Bahnsteig, eisig-pastellfarben, hellblau-karmesin, die letzte Ameise sterilisierend. Liegt wie ein umgestürzter Grabstein quer, fast unbeweglich. Klebt die Füße fest, ertränkt sie in Beton. Frühlingsluft, frisch und kühl, stürzt in Spalten und Gullies.
In unpersönlichen Straßenbuden, eine wie die andere, werden Sinne angeboten. Lebenssinne. Gründe, um zu leben. Davor lange Kundenschlangen bis auf die Fahrbahnen. Autos und Busse krachen durch Knochen und Fleisch.
Ein seltsamer Anblick, und eine seltsame Geräuschkulisse. Namensuchmann lehnt sich etwas weiter über die Brüstung um besser sehen zu können, dabei fällt ihm die halbvolle Bierflasche vom Handlauf, auf dem er sie abgestellt hatte. Unten knallt sie auf einen Gully und ist fast augenblicklich verschwunden, nur eine kleine Gischtwolke aus Bierdunst sorgt noch kurz für einen kleinen Regenbogen. Einen kleinen Bierbogen.
Und über allem ein dumpfer Brummton wie von einem altertümlichen Steam Punk Transformator. Schwerer, massiver Eisenkern, mit eigener Schwerkraft. Namensuchmann vergießt eine kleine, einsame Träne. Schade um das gute Bier.
In unpersönlichen Straßenbuden, eine wie die andere, werden Sinne angeboten. Lebenssinne. Gründe, um zu leben. Davor lange Kundenschlangen bis auf die Fahrbahnen. Autos und Busse krachen durch Knochen und Fleisch.
Ein seltsamer Anblick, und eine seltsame Geräuschkulisse. Namensuchmann lehnt sich etwas weiter über die Brüstung um besser sehen zu können, dabei fällt ihm die halbvolle Bierflasche vom Handlauf, auf dem er sie abgestellt hatte. Unten knallt sie auf einen Gully und ist fast augenblicklich verschwunden, nur eine kleine Gischtwolke aus Bierdunst sorgt noch kurz für einen kleinen Regenbogen. Einen kleinen Bierbogen.
Und über allem ein dumpfer Brummton wie von einem altertümlichen Steam Punk Transformator. Schwerer, massiver Eisenkern, mit eigener Schwerkraft. Namensuchmann vergießt eine kleine, einsame Träne. Schade um das gute Bier.
Montag, 4. Februar 2019
Namensuchmann liest sein Lieblingsbuch
Federico. Im Hauptberuf Pater der katholischen Kirche, nebenbei Raumschiffkapitän auf der Jagd nach einem kleinen Mädchen, das den Untergang einer korrupten, zu einer brutalen Verbrecherorganisation degenerierten Kirche bedeuten könnte. Hässliche, warzige Raumschiffe, die Kojen als leicht zu reinigende stählerne Wannen ausgebildet, weil den mörderischen Beschleunigungen kein lebender Organismus gewachsen ist. Die Besatzungen sind kurz nach dem Start tot, zu Brei zerquetscht. Glücklicherweise verfügt die Kirche über das heilige Sakrament der Auferstehung, drei Tage nach der Ankunft ist man wieder fit. Meistens. *
Federico. Italien. Rom. Pinien. Pinien zwischen alten Tempeln. Hohe Stämme, fächerförmige, ausladende Kronen. Warmes, mildes Licht auf uralten Ruinen. Blaue Himmel. Gnädige Tode altersschwacher Tage. Endlich ist die gleissende Helligkeit des Tages überstanden, Namensuchmann entsteigt seinem zehn Meter tiefen Bunker. Uraltes Eisen ächzt, schreit fast, oder jammert, klagt, würgt am Schmerz seiner Geburt vor Milliarden von Jahren in lodernden Sternexplosionen.
Das falsche Licht ist vergangen. Falsch in seiner strahlenden Reinheit, seiner erstickenden Vollkommenheit, seiner lichten Verheißung. Namensuchmann wirft seine Motorsäge an, drückt den Gasgriff wieder und wieder, in wachsender Ekstase. In der sich manifestierenden Lärmblase verschwimmen die letzten Konturen des Tages, Abendrot wird zu Nacht, Wärme zu fröstelndem Klirren.
Der Tiber! Darüber Kolosskalmar und Pottwal. Pottwal schnappt, Kolosskalmar fängelt mit seinen Armen. Namensuchmann zweifelt an seiner Entscheidung, ausgerechnet die beiden Erzfeinde als Gewichte für seine Balancierstange ausgesucht zu haben. Wie sollte er so jemals den Abgrund zwischen der Erde und Epsilon Eridani überwinden? Und wie sollte er gleichzeitig die Balancierstange und die Motorsäge halten?
Im Wasser des Flusses kommt die Säge blubbernd zum Stehen. Namensuchmann lässt sie los, sofort entschwindet sie in morastige Tiefen. Der Dezember der Dinge. Der Januar der Fragen.
"Möchtest Du den Platz tauschen, lieber Kolosskalmar? Schweb´ doch mal rüber und sag mir Bescheid, damit ich planen kann."
Namensuchmanns Tage in Rom. Und er kann fast gehen. Er erinnert sich an eine Zeit vor den Tagen.
Fischworte. Löwenworte. Wurmworte. Mit Wurmworten gesprochen: oben trommeln die Regentropfen, es treibt einen hinauf. Hinauf!
Das Leben auf einer schrägen Ebene, man bekommt´s im Rücken, spätestens irgendwann, denn Zeit ist immer. Wenn nicht früher. Aus den Lautsprechern ein Schlager aus einer vergangenen Zeit, er juckt im Gehirn, nahe der Stelle, wo der Hörnerv durch die hohle Gasse dringt, in die Region hinein, wo die Zukunftsängste produziert und wieder verarbeitet werden. Wie Polarlichter mäandern sie über die steinigen Wüsten der Zuversicht, sieht im Zeitraffer sehr beeindruckend aus.
"Aaaargh", würgende Laute aus einer vertrockneten Kehle. Namensuchmann dreht den Hahn auf, ganz auf, bis zum Anschlag, das Bier strömt wie entfesselt durch den dreckigen Stall, schwemmt die Tierleichen ins Freie. Augias hätte seine wahre Freude an dem schäumenden Schauspiel. Namensuchmann gegenüber, auf dem steinernen Futtertrog, hat sich ein fremder Mann in Sicherheit gebracht, starrt mit ungläubigen Augen in die schäumende Flut. Namensuchmann entsichert seinen Colt und legt an. Peng... der Mann greift sich mit weitaufgerissenen Augen an die Brust. Langsam kippt er vornüber, er scheint noch immer nicht begriffen zu haben, was geschehen ist. Platsch.... er verschwindet im Bier und geht unter. Namensuchmann ist wieder alleine auf der Welt.
*: Dan Simmons, Hyperion
Federico. Italien. Rom. Pinien. Pinien zwischen alten Tempeln. Hohe Stämme, fächerförmige, ausladende Kronen. Warmes, mildes Licht auf uralten Ruinen. Blaue Himmel. Gnädige Tode altersschwacher Tage. Endlich ist die gleissende Helligkeit des Tages überstanden, Namensuchmann entsteigt seinem zehn Meter tiefen Bunker. Uraltes Eisen ächzt, schreit fast, oder jammert, klagt, würgt am Schmerz seiner Geburt vor Milliarden von Jahren in lodernden Sternexplosionen.
Das falsche Licht ist vergangen. Falsch in seiner strahlenden Reinheit, seiner erstickenden Vollkommenheit, seiner lichten Verheißung. Namensuchmann wirft seine Motorsäge an, drückt den Gasgriff wieder und wieder, in wachsender Ekstase. In der sich manifestierenden Lärmblase verschwimmen die letzten Konturen des Tages, Abendrot wird zu Nacht, Wärme zu fröstelndem Klirren.
Der Tiber! Darüber Kolosskalmar und Pottwal. Pottwal schnappt, Kolosskalmar fängelt mit seinen Armen. Namensuchmann zweifelt an seiner Entscheidung, ausgerechnet die beiden Erzfeinde als Gewichte für seine Balancierstange ausgesucht zu haben. Wie sollte er so jemals den Abgrund zwischen der Erde und Epsilon Eridani überwinden? Und wie sollte er gleichzeitig die Balancierstange und die Motorsäge halten?
Im Wasser des Flusses kommt die Säge blubbernd zum Stehen. Namensuchmann lässt sie los, sofort entschwindet sie in morastige Tiefen. Der Dezember der Dinge. Der Januar der Fragen.
"Möchtest Du den Platz tauschen, lieber Kolosskalmar? Schweb´ doch mal rüber und sag mir Bescheid, damit ich planen kann."
Namensuchmanns Tage in Rom. Und er kann fast gehen. Er erinnert sich an eine Zeit vor den Tagen.
Fischworte. Löwenworte. Wurmworte. Mit Wurmworten gesprochen: oben trommeln die Regentropfen, es treibt einen hinauf. Hinauf!
Das Leben auf einer schrägen Ebene, man bekommt´s im Rücken, spätestens irgendwann, denn Zeit ist immer. Wenn nicht früher. Aus den Lautsprechern ein Schlager aus einer vergangenen Zeit, er juckt im Gehirn, nahe der Stelle, wo der Hörnerv durch die hohle Gasse dringt, in die Region hinein, wo die Zukunftsängste produziert und wieder verarbeitet werden. Wie Polarlichter mäandern sie über die steinigen Wüsten der Zuversicht, sieht im Zeitraffer sehr beeindruckend aus.
"Aaaargh", würgende Laute aus einer vertrockneten Kehle. Namensuchmann dreht den Hahn auf, ganz auf, bis zum Anschlag, das Bier strömt wie entfesselt durch den dreckigen Stall, schwemmt die Tierleichen ins Freie. Augias hätte seine wahre Freude an dem schäumenden Schauspiel. Namensuchmann gegenüber, auf dem steinernen Futtertrog, hat sich ein fremder Mann in Sicherheit gebracht, starrt mit ungläubigen Augen in die schäumende Flut. Namensuchmann entsichert seinen Colt und legt an. Peng... der Mann greift sich mit weitaufgerissenen Augen an die Brust. Langsam kippt er vornüber, er scheint noch immer nicht begriffen zu haben, was geschehen ist. Platsch.... er verschwindet im Bier und geht unter. Namensuchmann ist wieder alleine auf der Welt.
*: Dan Simmons, Hyperion
Freitag, 21. Dezember 2018
Heute ist es soweit, das Gesetz kommt rumpelnd und ächzend zur Ruhe. Aber nur kurz, für einen Wimpernschlag nur, jedenfalls solange man in geologischen Zeiträumen denkt. Man denkt immer in Räumen, die hermetisch abgeschlossen sind. Manchmal sind diese Räume klein, und man dozt ständig an die Wände. Oder sie sind riesig, astronomisch riesig, und man wird selbst zu einer Anomalie im Vakuum.
Namensuchmann steht plötzlich auf und wendet sich dem Schankraum zu, sich am Barhocker abstützend. Er brüllt aus Leibeskräften:
„Wenn das Gesetz ruht, dann ist es wehrlos. Und wenn es ruht, dann schaut es anders auf uns herunter, mit einem müden Herzen, die alte Seele schutzlos entblößt.“
Im Schankraum, in dem nur wenige Plätze besetzt sind, ist zustimmendes Gemurmel zu hören. Draußen, vor der großen, beschlagenen Scheibe, sinkt eine gigantische, durchsichtige Hand kraftlos herab und löst sich zwischen den hupenden Autos in Luft auf. Nach kurzem Innehalten strömt der Verkehr wie zuvor.
Namensuchmann sieht bedauernd an sich herunter, auf seine braunen Halbschuhe, schwankt etwas und fährt, etwas leiser und wie in Gedanken versunken, fort:
„Sollte ich mir Springerstiefel kaufen und darauf herumtrampeln? Oder sollte ich es in den Arm nehmen und trösten?“
Eine weitere durchsichtige Riesenhand sinkt wie eine Schneeflocke in Zeitlupe durch die Kneipendecke und verschwindet im Fußboden. Die abgestandene Luft riecht nun etwas nach Ozon und durchgebrannter Elektronik. Kneipengemurmel, als wäre nichts gewesen.
„Nein“, murmelt Namensuchmann ernüchtert, „ich werde es für diesen kurzen, kostbaren Augenblick ignorieren und einfach nur innehalten.“
Namensuchmann wächst Er schaut auf die Kneipengäste herab, die keinerlei Reaktion zeigen und anscheinend durch ihn hindurchschauen. Aber Namensuchmann wächst nicht, er schwebt nur in die Höhe, mit dem Kopf ist er nun schon durch die Decke gedrungen. Oben ist ein Badezimmer.
Das Gesetz, wenn es ruht, fühlt sich feucht und kalt an. Aber man ist schnell hindurch, wenn man sich nicht ablenken lässt vom Sirenengeheul der Gestrandeten, die seltsame Bewegungen und Verrenkungen vollführen als hätten sich ihre Lebensfäden in tolldreiste Drahtfedern verwandelt.
„Jetzt schweifen Sie ab!“, ruft jemand aus unmittelbarer Nähe. Erschrocken dreht Namensuchmann sich um, wobei er etwas mit den Armen rudern muss. Ein Gestrandeter treibt langsam und mit weit aufgerissenen Augen an Namensuchmann vorbei in Richtung der Toilettenschüssel. Der Mund des Gestrandeten pumpt wie ein Fisch auf dem Trockenen. Wie konnte er diese Worte gesagt haben? Pumpworte. Fischworte. Namensuchmann schaut ihm fragend hinterher, doch in den Menschenfischaugen ist keinerlei Verständnis oder Intelligenz mehr zu erkennen.
Namensuchmann steht plötzlich auf und wendet sich dem Schankraum zu, sich am Barhocker abstützend. Er brüllt aus Leibeskräften:
„Wenn das Gesetz ruht, dann ist es wehrlos. Und wenn es ruht, dann schaut es anders auf uns herunter, mit einem müden Herzen, die alte Seele schutzlos entblößt.“
Im Schankraum, in dem nur wenige Plätze besetzt sind, ist zustimmendes Gemurmel zu hören. Draußen, vor der großen, beschlagenen Scheibe, sinkt eine gigantische, durchsichtige Hand kraftlos herab und löst sich zwischen den hupenden Autos in Luft auf. Nach kurzem Innehalten strömt der Verkehr wie zuvor.
Namensuchmann sieht bedauernd an sich herunter, auf seine braunen Halbschuhe, schwankt etwas und fährt, etwas leiser und wie in Gedanken versunken, fort:
„Sollte ich mir Springerstiefel kaufen und darauf herumtrampeln? Oder sollte ich es in den Arm nehmen und trösten?“
Eine weitere durchsichtige Riesenhand sinkt wie eine Schneeflocke in Zeitlupe durch die Kneipendecke und verschwindet im Fußboden. Die abgestandene Luft riecht nun etwas nach Ozon und durchgebrannter Elektronik. Kneipengemurmel, als wäre nichts gewesen.
„Nein“, murmelt Namensuchmann ernüchtert, „ich werde es für diesen kurzen, kostbaren Augenblick ignorieren und einfach nur innehalten.“
Namensuchmann wächst Er schaut auf die Kneipengäste herab, die keinerlei Reaktion zeigen und anscheinend durch ihn hindurchschauen. Aber Namensuchmann wächst nicht, er schwebt nur in die Höhe, mit dem Kopf ist er nun schon durch die Decke gedrungen. Oben ist ein Badezimmer.
Das Gesetz, wenn es ruht, fühlt sich feucht und kalt an. Aber man ist schnell hindurch, wenn man sich nicht ablenken lässt vom Sirenengeheul der Gestrandeten, die seltsame Bewegungen und Verrenkungen vollführen als hätten sich ihre Lebensfäden in tolldreiste Drahtfedern verwandelt.
„Jetzt schweifen Sie ab!“, ruft jemand aus unmittelbarer Nähe. Erschrocken dreht Namensuchmann sich um, wobei er etwas mit den Armen rudern muss. Ein Gestrandeter treibt langsam und mit weit aufgerissenen Augen an Namensuchmann vorbei in Richtung der Toilettenschüssel. Der Mund des Gestrandeten pumpt wie ein Fisch auf dem Trockenen. Wie konnte er diese Worte gesagt haben? Pumpworte. Fischworte. Namensuchmann schaut ihm fragend hinterher, doch in den Menschenfischaugen ist keinerlei Verständnis oder Intelligenz mehr zu erkennen.
Freitag, 30. November 2018
Muff und Sterne
Das Fell der Welt ist durchwirkt von gleissenden, mäandernden Mustern. Darunter gut fühl- und tastbar die Knochen, grob und grotesk verrenkt. Das Fell fühlt sich samtig und weich an und weist keinerlei äussere Verletzungen auf. Ich nehme mein Messer, mit dem schon der wütende König ganze Planeten aus ihrer Decke geschlagen hat, schneide und schlitze mit sicherer Hand, dann ein kurzer Ruck, und der Pelz der Welt hängt in dicken nassen Falten über meinem Arm. Ich hoffe, er reicht ausser zu einer Stola und einer Mütze auch noch zu einem schönen warmen Muff; meine stets eisigen Hände wären sicher sehr erfreut.
Ich gehe ein paar Schritte, halte dann jedoch grübelnd inne. Ich versuche noch einen weiteren Schritt. Es funktioniert, mein linker Fuß hebt sich, und senkt sich ein paar Zentimeter weiter wieder in den wassergebundenen Kies. Das Grübelthema ist alt. Und ausgefranst wie eine alte Decke.
Müde setze ich mich auf eine Bank und hänge das rot triefende Paket über die Lehne. Jemand drückt mir von hinten die Augen zu mit sanftem Druck. Die Hände fühlen sich weich und warm an, sie riechen gut, ja fast schon beruhigend, nach Salz und Honig und Algen. Ich atme aus. Keine Eile, wieder einzuatmen.
"Die Fundamente wurden viel zu tief gesetzt, es wird Jahrzehnte dauern, bis die Mauern aus der Grube wachsen. In den umliegenden Straßen liegt derweil das Leben in fetten Laiben, Menschlein ausschwitzend."
"Ach Magdalena, komm herunter, gib mir die Dinge, die mich begraben. Mein Herz rumpelt und poltert, schlägt es auch mal wieder normal? Oder springt es mir aus der Brust?"
"Hängt feurige Leuchten in die nebelnassen Bäume", ruft sie einem einsamen Wanderer zu, der unten am Ufer entlanggeht, "die werden tanzen und schwanken, wenn die Einschläge anfangen."
Der Wanderer winkt mit seinem Wanderstock und geht weiter. Er hat nichts verstanden.
Ein warmer Wind weht durch die weite, zweiflügelige Tür. Dahinter die Postkartenidylle einer Spiralgalaxie, die sich über einen Himmel ohne Horizont, ohne Begrenzung, in absurde Tiefen spannt. Im Schein von Welten, schmerzhaft fern, schlafe ich ein.
Ich gehe ein paar Schritte, halte dann jedoch grübelnd inne. Ich versuche noch einen weiteren Schritt. Es funktioniert, mein linker Fuß hebt sich, und senkt sich ein paar Zentimeter weiter wieder in den wassergebundenen Kies. Das Grübelthema ist alt. Und ausgefranst wie eine alte Decke.
Müde setze ich mich auf eine Bank und hänge das rot triefende Paket über die Lehne. Jemand drückt mir von hinten die Augen zu mit sanftem Druck. Die Hände fühlen sich weich und warm an, sie riechen gut, ja fast schon beruhigend, nach Salz und Honig und Algen. Ich atme aus. Keine Eile, wieder einzuatmen.
"Die Fundamente wurden viel zu tief gesetzt, es wird Jahrzehnte dauern, bis die Mauern aus der Grube wachsen. In den umliegenden Straßen liegt derweil das Leben in fetten Laiben, Menschlein ausschwitzend."
"Ach Magdalena, komm herunter, gib mir die Dinge, die mich begraben. Mein Herz rumpelt und poltert, schlägt es auch mal wieder normal? Oder springt es mir aus der Brust?"
"Hängt feurige Leuchten in die nebelnassen Bäume", ruft sie einem einsamen Wanderer zu, der unten am Ufer entlanggeht, "die werden tanzen und schwanken, wenn die Einschläge anfangen."
Der Wanderer winkt mit seinem Wanderstock und geht weiter. Er hat nichts verstanden.
Ein warmer Wind weht durch die weite, zweiflügelige Tür. Dahinter die Postkartenidylle einer Spiralgalaxie, die sich über einen Himmel ohne Horizont, ohne Begrenzung, in absurde Tiefen spannt. Im Schein von Welten, schmerzhaft fern, schlafe ich ein.
Samstag, 15. September 2018
Eine Stimme, man lauscht
Man geht einen Schritt, und man geht noch einen Schritt,
und die Sonne scheint alt und rot von hinten, auf den Rücken
und auf die Haut, drückt einen nach vorne, zieht fast,
ist leise und geduldig, wärmt nur sachte, geht ins Hirn und ins Herz.
Man möchte sich auf die roten, warmen Strahlen legen, sich über
sie bäumen und unter sie fügen und dabei den Lauten lauschen,
das Knistern und Rascheln erleben und Haut spüren unter der Hand,
warm und wärmer, wie Leben weit, ganz weit entfernt.
und die Sonne scheint alt und rot von hinten, auf den Rücken
und auf die Haut, drückt einen nach vorne, zieht fast,
ist leise und geduldig, wärmt nur sachte, geht ins Hirn und ins Herz.
Man möchte sich auf die roten, warmen Strahlen legen, sich über
sie bäumen und unter sie fügen und dabei den Lauten lauschen,
das Knistern und Rascheln erleben und Haut spüren unter der Hand,
warm und wärmer, wie Leben weit, ganz weit entfernt.
Mittwoch, 29. August 2018
Im Hafen, gegenüber Konzilgebäude
Menschengemurmel, Kinderlachen, Plastikräder auf knirschendem Rollsplit. Eine Sonne, die nochmal alles gibt, doch immer tiefer sinkt, strahlend zwar, doch unweigerlich dem Abend grauend. Der kalte Wind, er zutzelt an meinen nackten Armen und am flatterigen T-Shirt, fährt mir den Rücken hoch.
Eine seltsame Unbewohntheit in meinem Körper, die Strömung der Tage mitten durch mich hindurch, ohne Wirbel, ohne Murmeln. Doch nein, ein Teppich aus zerfaserten, zerfallenden Tagen, wie Humus im Urwald, dünn gebreitet, duftend nach Fruchtbarkeit und des Schoßes Wärme. Des Schoßes Wärme. Der aufsteigende Duft, gefangen in einer bunten Montgolfière, die entschwebt in lichte Zukünfte und Vergangenheiten. „Nein, damit fliege ich nicht über Meere und Berge, nur über Wiesen und Wälder“.
Die Wälder rauschen. Ach, wie schweben die Wolken, bei Nacht und Mond, wenn der Wind raschelt im letzten Laub.
„Nein“, sagte der Naturgeist, „draußen nur Kännchen“
Man kann auch durch Wüsten gehen, immer ein Schritt nach dem anderen. Man kann auch kriechen. Immer, wenn sich eine Hand in den heissen Sand gräbt, denkt man an kleine bunte Sandschlangen, so giftig, dass ein Biss das Universum zu lähmen vermag. Es würde erschrocken in seiner Expansion innehalten und sich mit einem Galaxienarm und einer Kugelsternhaufenhand die winzigen Blutströpfchen abzuwischen versuchen. Doch die kleinen, schillernden Tröpfchen wären durchsetzt mit Gift, das den Menschen auf Generationen noch fieberbunte Sonnenuntergänge bescheren würde.
Der Weg ist schmal, doch gut begehbar, ich wandere von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Vor mir geht Dunkelheit, sie stolpert nie und schweigt.
Mittwoch, 4. Juli 2018
Gott, in Saturn getreten
„Nein“, sagte der Himmel, als er im Angesicht der Tragödie des Meisters in brütendes Stieren und Starren verfallen war.
„Nein, nein, und nochmals nein. Ich werde nicht die Wälder berühren und auch nicht die Berge. Ich werde niemals wieder Heimstatt sein für Sterne und Hoffnungen. Und auch nicht für Gebete.“
„Kann ich sehr gut verstehen“, sagte ich in das einsetzende Schweigen hinein und nahm einen herzhaften Schluck aus der Flasche. Ich wusste nicht, was sich in der Flasche befand, aber es brannte in meiner Kehle wie die glühende Folterzange von Luzifer Luminosus persönlich.
Bald schon, nur eine kleine Weile später, verging die lodernde Höllenglut und beruhigte sich zu einem ganz gewöhnlichen, die üblichen Katastrophenmeldungen generierenden Flächenbrand, der langsam zwar, doch mit stupender Forschheit von meinem Äusseren Besitz ergriff. Leuchtend und flirrend stolzierte ich so unter den Menschen, gab ihnen Licht, gab ihnen Wärme. Nur wenige bemerkten mich, wie einen Traum, dessen Vergänglichkeit einen bestürzt, aber auch beruhigt.
Dienstag, 12. September 2017
Eine Nacht aus Marmor und Schnee
Die Nacht ist sehr alt
und als währte sie schon ewig
war sie niemals jung.
Kein Grauen mehr am Morgen
kein Tag mehr dessen Tod uns mahnt
Sternenwolken ziehen unbewegt
und lauschend über Violinenklang.
Und Noten netzen geisterhaft
wie feine Nebelgischt mein
waches welkes Angesicht
Eine Melodie, leicht wie Schnee
sinkt herab auf Fuß und Moos
und bald ist es Marmor
weiß wie ein Weg leuchtend
über Tal und Grund
Das Bett ist warm doch die Seele nackt,
nur bedeckt vom Duft nach Schnee.
Kein Spüren, kein Seufzen, nur ein Ziehen
und ein Wehen wie von Gestirnen,
unberührt über Wüste, Berg und See.
und als währte sie schon ewig
war sie niemals jung.
Kein Grauen mehr am Morgen
kein Tag mehr dessen Tod uns mahnt
Sternenwolken ziehen unbewegt
und lauschend über Violinenklang.
Und Noten netzen geisterhaft
wie feine Nebelgischt mein
waches welkes Angesicht
Eine Melodie, leicht wie Schnee
sinkt herab auf Fuß und Moos
und bald ist es Marmor
weiß wie ein Weg leuchtend
über Tal und Grund
Das Bett ist warm doch die Seele nackt,
nur bedeckt vom Duft nach Schnee.
Kein Spüren, kein Seufzen, nur ein Ziehen
und ein Wehen wie von Gestirnen,
unberührt über Wüste, Berg und See.
Abonnieren
Posts (Atom)



