2013
Zeit wie Reißzwecken, die in einen Ventilator gestreut werden. Im Luftstrom wird einem das Fleisch vom Gesicht gerissen, die Knochen blank gerubbelt. Zombiefleisch das fliegt in nassen Placken in die Vergangenheit, dabei Engelsstaub aufnehmend wie ein Schnitzel die Panade, es glitzert und funkelt, bis nur noch schwache Reflexe in der dunklen Vergangenheit zu erahnen sind.
Das Flugabwehrgeschütz feuert und streut angekokelte Patronenhülsen auf das herbstliche Blumenbeet wie Kümmel auf einen Flammkuchen. Der Schütze trägt eine Coco Chanel-Umhängetasche und Badelatschen von ADIDAS. Tiefdunkelblauer Himmel, blaue Stunde, Sterne, die müde sind vom Scheinen.
Das Schmatzen von Füßen in nassen Schuhen lässt mich aufhorchen. Es ist ein Kind, das sich über das Hochwasser freut. Schöne, weite Welt. Ich träume vom Half-Dome und Cumulus-Wolken. Er schlürft meine Sehnsucht wie ein Bettelmönch seine Graupensupppe.
Und doch bin ich nicht darauf hereingefallen, ich ging sehenden Auges den Pfad des Irrsinns und war befremdlich erregt.
Dann ruhte ich mich aus und sagte nichts. Jedes Wort wog tausend Tonnen an diesem seltsamen Ort, an dem die Zeit Tango zu tanzen schien mit diesem Typ aus dem Zug nach Basel, der, obschon gut gekleidet, keinen Fahrschein zu haben schien. Die Scheibe des Zugabteils schmierig von meiner Stirn.
Die Sterne, müde des ewigen Scheinens, fallen einer nach dem anderen vom schwarzen Himmel und verglimmen zu meinen Füßen. Ich muss aufpassen, nicht darauf zu treten und setze vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Manche Sterne liegen zu Kissen gehäuft oder zu kleinen Dünen zusammengeschoben von diesem klaren Nachtwind. Mir wird schwindelig von diesem vergehenden Glühen unter meinen Füßen, über mir ist nun alles dunkel und schwarz. Die Welt hat sich gedreht, die Dinge fliegen fort von hier.
..............................................und andere Lumineszenzen..............................................
Sonntag, 28. Juli 2019
Samstag, 27. Juli 2019
Cartoons, die man nicht verstehen muss
Heute: Planet und Mond im Weltall (schreiend). Mit Umlaufbahn, und Augen, die wegen des Vakuums im Weltraum heraustreten, oder so. Und Haare.
Montag, 15. Juli 2019
Mittwoch, 10. Juli 2019
Aufwind
Ich trat hinaus und stand auf einer winzigen, staubigen Straße, die sich, Serpentine für Serpentine, entlang meines Rückgrats in Richtung Stammhirn wand. Die Kurven waren mit niedrigen, weißen Mäuerchen gesichert, und tief unten rollten schäumend die Wellen auf den Strand. Mondlicht. Kein Verkehr. Weit am dunkel schimmernden Horizont, im Nachtdunst kaum zu erkennen, tauchte eine riesige Hand in das verwunderte Meer, langsam, als wollte sie die Temperatur prüfen. Machte sich hohl, schöpfte Wasser, als wollte jemand davon trinken. Aber oben nur Sterninseln und Sterne, die manchmal zur Seite hüpften.
Nein, Engel mein, das ist nur ein kleiner Luftzug, ein Windhauch nur, er wird Dich aber trotzdem tragen wie zehn Fäuste von Riesen.
Nein, Engel mein, das ist nur ein kleiner Luftzug, ein Windhauch nur, er wird Dich aber trotzdem tragen wie zehn Fäuste von Riesen.
Donnerstag, 4. Juli 2019
Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, schreiend im Weltall
Heute: Angela Merkel (beim Versuch, ihren rechten großen Zeh zum Präsidenten des Universums zu ernennen).
Montag, 24. Juni 2019
An der Straße
Namensuchmann steht schwitzend an der riesigen Straßenkreuzung. Die Fußgängerampel zeigt rot, die Autos lärmen vierspurig vorüber. In der Ferne, in flirrender Hitze, ist das große Siegesmonument zu sehen, auf das alle Straßen sternförmig zulaufen. In der entgegengesetzten Richtung verliert sich die Straße im nachmittäglichen Dunst und in den Abgasen der Stadt.
Die Ausdünstungen all der bewegten Gehirne verdichten sich zu unsichtbarem, klebrigem Sirup, der Namensuchmann selbst dann noch aufrecht hält, wenn er sich, in Anbetracht des infernalischen Treibens, immer mal wieder kurzeitig bis an die Schwelle des Todes treiben lässt. Doch wie ein schwerer Stein über Wasser hüpft, so lässt sich auch Namensuchmann immer wieder an dem unheimlichen Horizont abprallen. Zuweilen kokettiert er ein wenig mit den Auftreffwinkeln, wird fast übermütig, noch ein Anflug, noch flacher, um sich dann umso weiter wieder wegtragen zu lassen.
Der Gehirnsirup kräuselt sich zu seinen Füßen, brandet lautlos und wie in Zeitlupe um seine Waden, jemand ist neben ihn getreten.
Er wendet nicht den Kopf, spürt nur die Schönheit des anderen. Der anderen.
Mein Gepäck ist mir abhanden gekommen.
Das ist einerseits ganz gut so.
Leider weiß ich nicht, was drinnen war.
Die Leichtigkeit um die Schultern
und das unbeschwerte Federn in den Knien
will sich nicht einstellen.
Was habe ich verloren?
Die Fußgängerampel springt auf grün, die Autos erstarren für einen kurzen Augenblick in ihrem rasenden Tun. Doch neben Namensuchmann ist nur ein Flirren.
Die Ausdünstungen all der bewegten Gehirne verdichten sich zu unsichtbarem, klebrigem Sirup, der Namensuchmann selbst dann noch aufrecht hält, wenn er sich, in Anbetracht des infernalischen Treibens, immer mal wieder kurzeitig bis an die Schwelle des Todes treiben lässt. Doch wie ein schwerer Stein über Wasser hüpft, so lässt sich auch Namensuchmann immer wieder an dem unheimlichen Horizont abprallen. Zuweilen kokettiert er ein wenig mit den Auftreffwinkeln, wird fast übermütig, noch ein Anflug, noch flacher, um sich dann umso weiter wieder wegtragen zu lassen.
Der Gehirnsirup kräuselt sich zu seinen Füßen, brandet lautlos und wie in Zeitlupe um seine Waden, jemand ist neben ihn getreten.
Er wendet nicht den Kopf, spürt nur die Schönheit des anderen. Der anderen.
Mein Gepäck ist mir abhanden gekommen.
Das ist einerseits ganz gut so.
Leider weiß ich nicht, was drinnen war.
Die Leichtigkeit um die Schultern
und das unbeschwerte Federn in den Knien
will sich nicht einstellen.
Was habe ich verloren?
Die Fußgängerampel springt auf grün, die Autos erstarren für einen kurzen Augenblick in ihrem rasenden Tun. Doch neben Namensuchmann ist nur ein Flirren.
Samstag, 8. Juni 2019
Es begab sich
Und zuletzt fielen die Engel.
Mit gebrochenen Flügeln.
Und die Menschen hielten nicht inne.
Oder schauten sie kurz auf?
Von ihrem Tun.
Federkiele wie Kristallpaläste,
kilometerhoch und durchscheinend.
Menschen nahmen Wohnung darin.
Mit gebrochenen Flügeln.
Und die Menschen hielten nicht inne.
Oder schauten sie kurz auf?
Von ihrem Tun.
Federkiele wie Kristallpaläste,
kilometerhoch und durchscheinend.
Menschen nahmen Wohnung darin.
Samstag, 1. Juni 2019
Dienstag, 21. Mai 2019
Schotter
Auf dem Bahnsteig, das Licht prallt von hinten gegen den Rücken, es schiebt und drückt. Wie ein Sturm von achtern, nur lautlos. Ein Zug fährt vorbei, wie schwer er wohl ist? Nicht in Tonnen und Kilogramm gemessen, sondern als Gefühl in der Hand eines Riesen, der ihn hochhebt? Wäre er beeindruckt von dem Gewicht, so wie ein Kind beeindruckt ist, wenn es zum ersten Mal eine funktionierende Spielzeuglok aus Metall hochhebt, nachdem es sonst immer nur mit Zügen aus Plastik gespielt hat? Hat Godzilla damals in Tokio gedacht: "hoppla, der ist aber schwer", oder waren seine Gedanken ganz woanders, bei Müllstrudeln etwa und Atombombenkratern in malerischen Atollen? Wie ist das Verhältnis von Gewicht zu Volumen bei einer richtigen Lokomotive? Wo findet man es, dieses Gefühl im Gehirn eines Riesen, den es nicht gibt?
Eine Spielzeuglok, Spurweite HO, liegt satt und fest in der Hand, zieht nach unten, wehrt sich gegen das Emporgehobenwerden. Der Zug verschwindet mit einem leisen Rauschen hinter der Biegung.
Jenseits der Gleise steht ein großer Baum. Irgendwann wurde er radikal zurückgeschnitten, doch längst hat er neue Zweige und Äste ausgetrieben, undurchdringliches Blattwerk bildet nun eine riesige grüne Stinkmorchel. Seine Wurzeln reichen tief. Sehr tief hinab. Zöge man ihn nach oben, was würde alles mitkommen? Längst vergessene Bewohner feuchter Slums? Ungläubig in das pralle Licht blinzelnd und glotzend?
Und der Schotter!
Drei Gleise. Vier sogar, wenn man das Gegengleis auf der anderen Seite des Bahnsteigs hinzuzählt. Jedes Gleis auf einem dicken Damm aus Schotter. So viele Steine. Dutzende Kilometer weit. Hunderte, tausende. Vier Gleise.
Und doch eine endliche Zahl, obschon fast unendlich. Aber alles, was man braucht, ist eine Eins, eine Null und ein zweistelliger Exponent. Schon hat man Macht über Zahlen so gigantisch wie das Universum. Müsste man hin- und hergehen, um immer einen Stein zu tragen, immer nur einen, tausend Kilometer ein Weg, über Berge und durch Wälder, entlang an Bächen und Flüssen, Dörfer meidend, über Auen und Brachland, sich Räubern erwehrend und wilden Bestien, würde sich ein kleiner Pfad bilden? Wohl nicht. Sechs mal hin, sechs mal zurück in einem Jahr; immer nur ein Stein. Vier Gleise. Vier Dämme. Und am Ende ein Berg aus Schotter.
Während das Licht gleisst und flutet.
Eine Spielzeuglok, Spurweite HO, liegt satt und fest in der Hand, zieht nach unten, wehrt sich gegen das Emporgehobenwerden. Der Zug verschwindet mit einem leisen Rauschen hinter der Biegung.
Jenseits der Gleise steht ein großer Baum. Irgendwann wurde er radikal zurückgeschnitten, doch längst hat er neue Zweige und Äste ausgetrieben, undurchdringliches Blattwerk bildet nun eine riesige grüne Stinkmorchel. Seine Wurzeln reichen tief. Sehr tief hinab. Zöge man ihn nach oben, was würde alles mitkommen? Längst vergessene Bewohner feuchter Slums? Ungläubig in das pralle Licht blinzelnd und glotzend?
Und der Schotter!
Drei Gleise. Vier sogar, wenn man das Gegengleis auf der anderen Seite des Bahnsteigs hinzuzählt. Jedes Gleis auf einem dicken Damm aus Schotter. So viele Steine. Dutzende Kilometer weit. Hunderte, tausende. Vier Gleise.
Und doch eine endliche Zahl, obschon fast unendlich. Aber alles, was man braucht, ist eine Eins, eine Null und ein zweistelliger Exponent. Schon hat man Macht über Zahlen so gigantisch wie das Universum. Müsste man hin- und hergehen, um immer einen Stein zu tragen, immer nur einen, tausend Kilometer ein Weg, über Berge und durch Wälder, entlang an Bächen und Flüssen, Dörfer meidend, über Auen und Brachland, sich Räubern erwehrend und wilden Bestien, würde sich ein kleiner Pfad bilden? Wohl nicht. Sechs mal hin, sechs mal zurück in einem Jahr; immer nur ein Stein. Vier Gleise. Vier Dämme. Und am Ende ein Berg aus Schotter.
Während das Licht gleisst und flutet.
Freitag, 26. April 2019
Im Biergarten
„Als wir damals nach Bregenz gefahren sind...“
Fahren, um nicht da zu sein, wo man ist. Ich fuhr an den See, um nicht hier zu sein. Ich blieb, um nicht dort zu sein. Das Wasser glasklar, aber noch eisig. Licht, das bricht bis auf den metertiefen Grund, tänzelt dort unten über Kiesel und samtige grüne Algenkissen. Die Synapsen des großen Wesens kräuseln sich im Ansturm des Geplappers.
„Der hat ja nun endlich seinen Termin beim Meinerbach bekommen, aber....“
Ein Kubus puren Frühlingslichts hat sich auf die weite Rasenfläche niedergelassen, ächzt ein wenig wegen der weitläufig verteilten Korbsessel und Korbtischchen, die wie in trüben Weiten zu flimmern beginnen. Man möchte eintreten, Schuhe und Socken von den Füßen schleudern und sich auf das Gras legen, jedoch nicht im Schatten einer der Schirmakazien, denn es ist noch nicht Sommer und die Sonne längst noch nicht zu ihrer Topform aufgelaufen. Hängt noch relativ kraftlos oben in ihrem Thron.
Singlemänner, die auf Kies gehen und schauen. Männer ohne Frauen, aber mit regelmäßigem Einkommen. Ich sehe Schatten, wo gar keine sind. Ziehende Schatten, die flüchten über Beine und Seiten. Und über Schuhe und Steine.
„Ich lief barfuß über Steine und Dornen, aber das Blut war nicht von mir.“
„Das wundert mich nicht, da gingen schon viele Menschen lang.“
„Jetzt klebt fremdes Blut an meinen Füßen.“
„Wäre es dir lieber, es wäre dein eigenes?“
„Weiß nicht, Blut ist Blut.“
Pause. Auf der großen Piazza ist es plötzlich sehr still, kein Windhauch zaust die Platanen, die Menschen sind durchsichtig in ihrer Hast und ihrer Gleichgültigkeit. Fast sind sie schon verschwunden, aber das dauert noch ein wenig. Ein klein wenig nur. Aus den Fugen und Ritzen des groben Pflasters quillt nun hellrotes Blut, braune Ränder hinterlassend, wo es von der Frühlingssonne schon getrocknet wurde.
„Jedenfalls ist der Geruch von altem Blut gewöhnungsbedürftig, egal, ob es das eigene ist oder fremdes. Soll ich dir die Füße waschen?“
„Das könnte Dir so passen.“
Fahren, um nicht da zu sein, wo man ist. Ich fuhr an den See, um nicht hier zu sein. Ich blieb, um nicht dort zu sein. Das Wasser glasklar, aber noch eisig. Licht, das bricht bis auf den metertiefen Grund, tänzelt dort unten über Kiesel und samtige grüne Algenkissen. Die Synapsen des großen Wesens kräuseln sich im Ansturm des Geplappers.
„Der hat ja nun endlich seinen Termin beim Meinerbach bekommen, aber....“
Ein Kubus puren Frühlingslichts hat sich auf die weite Rasenfläche niedergelassen, ächzt ein wenig wegen der weitläufig verteilten Korbsessel und Korbtischchen, die wie in trüben Weiten zu flimmern beginnen. Man möchte eintreten, Schuhe und Socken von den Füßen schleudern und sich auf das Gras legen, jedoch nicht im Schatten einer der Schirmakazien, denn es ist noch nicht Sommer und die Sonne längst noch nicht zu ihrer Topform aufgelaufen. Hängt noch relativ kraftlos oben in ihrem Thron.
Singlemänner, die auf Kies gehen und schauen. Männer ohne Frauen, aber mit regelmäßigem Einkommen. Ich sehe Schatten, wo gar keine sind. Ziehende Schatten, die flüchten über Beine und Seiten. Und über Schuhe und Steine.
„Ich lief barfuß über Steine und Dornen, aber das Blut war nicht von mir.“
„Das wundert mich nicht, da gingen schon viele Menschen lang.“
„Jetzt klebt fremdes Blut an meinen Füßen.“
„Wäre es dir lieber, es wäre dein eigenes?“
„Weiß nicht, Blut ist Blut.“
Pause. Auf der großen Piazza ist es plötzlich sehr still, kein Windhauch zaust die Platanen, die Menschen sind durchsichtig in ihrer Hast und ihrer Gleichgültigkeit. Fast sind sie schon verschwunden, aber das dauert noch ein wenig. Ein klein wenig nur. Aus den Fugen und Ritzen des groben Pflasters quillt nun hellrotes Blut, braune Ränder hinterlassend, wo es von der Frühlingssonne schon getrocknet wurde.
„Jedenfalls ist der Geruch von altem Blut gewöhnungsbedürftig, egal, ob es das eigene ist oder fremdes. Soll ich dir die Füße waschen?“
„Das könnte Dir so passen.“
Mittwoch, 27. März 2019
Gnom oder Zwerg?
Die Romantik simmerte leise röchelnd, an Zwiebeln und Möhren, auf dem Herd vor sich hin. Romantik meint, Meeresbrandung eignet sich immer, um das Rascheln von Engelsflügeln aus der Sicht eines Flohs zu beschreiben.
"Beschreiben!", rief der Gnom begeistert, "beschreiben! Herrlich. Jeder andere hätte "lautzumalen" geschrieben, `um das Rascheln von Engelsflügeln aus der Sicht eines Flohs lautzumalen´, oder.... hm .... oder...." Er schaute über die Straße. Auf der anderen Seite ging ein Mann. Er hielt sich seine blutende Schulter und war völlig durchnässt. Ein Windhauch trug den schalen Gestank von altem Bier herüber. Der Mann schaute immer wieder ängstlich über die Schulter, als ob er verfolgt würde.
"Menschen, die verfolgt werden", sagte der Gnom nun, "sind meistens Quell unerwarteter Ereignisse. Insbesondere, wenn sie sich die Schulter halten, als hätten sie eine Schusswunde."
"Ich bin es so müde", röchelte die Romantik nun, "Schusswunden, Gnome.... das ist doch alles eine große Scheiße!"
Aber man kann nichts machen. Nichts tun. Was man tut, breitet sich zu einem dünnen Film, nur wenige Mikrometer dick, und kriecht unter das Frühlingslicht. Der Gnom hebt seinen linken Fuß und schaut sich die Schuhsohle an. Er setzt sich auf den Bordstein, sieht dem verwundeten Mann hinterher, der um die nächste Hausecke taumelt, den Bierdunst mit sich nehmend, und fängt an zu singen. Eine melodische alte Weise aus uralten Zeiten, als es noch Kriege gab und Reisen bis ans Ende der Welt und darüber hinaus. Nichts weiter geschah. Keine unerwarteten Ereignisse. Auch keine erwarteten. Frühlingsdunst zwischen leeren Häusern. Parkgaragen, mit riesigen Mäulern in ihrer Gier erstarrt, geben sich plötzlich zufrieden und satt.
Niemand folgte dem Verwundeten. Nichts geschah. Licht, Dunst und tote Gier waren in der Zeit gefroren. Auch der Gnom kam nun zur Ruhe, seine Bewegungen wurden immer bedächtiger und langsamer. Er konnte kaum noch singen, kaum noch sprechen, aber das war nicht schlimm, da er überhaupt nichts zu sagen hatte und das alte Lied längst zu Ende war. Doch nun formten seine Lippen ein paar letzte Worte, ehe das Frühlingslicht die Wirklichkeit glasierte.
"Du....solltest....nicht....das Sch-Wort....sagen!" Damit ward das letzte Wort gesprochen, und die Welt gefror.
"Beschreiben!", rief der Gnom begeistert, "beschreiben! Herrlich. Jeder andere hätte "lautzumalen" geschrieben, `um das Rascheln von Engelsflügeln aus der Sicht eines Flohs lautzumalen´, oder.... hm .... oder...." Er schaute über die Straße. Auf der anderen Seite ging ein Mann. Er hielt sich seine blutende Schulter und war völlig durchnässt. Ein Windhauch trug den schalen Gestank von altem Bier herüber. Der Mann schaute immer wieder ängstlich über die Schulter, als ob er verfolgt würde.
"Menschen, die verfolgt werden", sagte der Gnom nun, "sind meistens Quell unerwarteter Ereignisse. Insbesondere, wenn sie sich die Schulter halten, als hätten sie eine Schusswunde."
"Ich bin es so müde", röchelte die Romantik nun, "Schusswunden, Gnome.... das ist doch alles eine große Scheiße!"
Aber man kann nichts machen. Nichts tun. Was man tut, breitet sich zu einem dünnen Film, nur wenige Mikrometer dick, und kriecht unter das Frühlingslicht. Der Gnom hebt seinen linken Fuß und schaut sich die Schuhsohle an. Er setzt sich auf den Bordstein, sieht dem verwundeten Mann hinterher, der um die nächste Hausecke taumelt, den Bierdunst mit sich nehmend, und fängt an zu singen. Eine melodische alte Weise aus uralten Zeiten, als es noch Kriege gab und Reisen bis ans Ende der Welt und darüber hinaus. Nichts weiter geschah. Keine unerwarteten Ereignisse. Auch keine erwarteten. Frühlingsdunst zwischen leeren Häusern. Parkgaragen, mit riesigen Mäulern in ihrer Gier erstarrt, geben sich plötzlich zufrieden und satt.
Niemand folgte dem Verwundeten. Nichts geschah. Licht, Dunst und tote Gier waren in der Zeit gefroren. Auch der Gnom kam nun zur Ruhe, seine Bewegungen wurden immer bedächtiger und langsamer. Er konnte kaum noch singen, kaum noch sprechen, aber das war nicht schlimm, da er überhaupt nichts zu sagen hatte und das alte Lied längst zu Ende war. Doch nun formten seine Lippen ein paar letzte Worte, ehe das Frühlingslicht die Wirklichkeit glasierte.
"Du....solltest....nicht....das Sch-Wort....sagen!" Damit ward das letzte Wort gesprochen, und die Welt gefror.
Donnerstag, 21. März 2019
Im Café
Frau
geht über die Straße.
Mann
schaut ihr nach.
Mann
geht über die Straße.
Frau
schaut ihm nach.
Mann
und Frau.
Blutbadende
Namensuchmann
tippte sich versonnen mit dem Radiergummi seines Feinminenbleistifts
an die Oberlippe. Für ein Haiku war das Ding zu lang.
Und für einen Liebesroman etwas zu kurz. Was es brauchte, war eine
kleine Nebenhandlung, die sich spielerisch um das eigentliche Drama
herumwand und dem Plot im entscheidenden Moment eine unerwartete
Wendung verpasste. Oder auch nicht. Bloß nicht verzetteln.
Der
Ober kam an das Tischchen und brachte Namensuchmann eine neue Tasse
dampfenden Kaffees. Als er sie abgestellt und stattdessen die alte
Tasse auf sein kleines silbernes Tablett aufgeladen hatte, beugte er
sich elegant gespannt, wie ein elastisches Winkemännchen, über
Namensuchmanns Schreibblock.
„Hm,
gefällt mir. Ich würde aber noch etwas an der Charakterbildung
arbeiten.“
Namensuchmann
hob seinen Blick nicht zum Ober, sondern beugte sich nach vorne und
trommelte mit dem Bleistiftradiergummi auf den Block.
„Eigentlich
ist er fertig.“
„Er?“,
fragte der Ober.
„Ja“,
sagte Namensuchmann verwundert, „der Roman. Er.“
„Achso“,
rief der Ober, „ich mag Romane lieber, wenn sie etwas länger
sind.“
Nun
schaute Namensuchmann doch noch zu ihm auf. Neben seinem unbequemen Bistrostuhl, immer noch das
kleine Tablett mit der leeren Tasse in der einen Hand, die andere
lässig auf der Stuhllehne geparkt, stand Zombie. Und oben, auf
seiner Schulter, saß sein Engel und besorgte das Reden in
Obersprache. Namensuchmann bemerkte leicht indigniert, dass der Engel
knapp davor war, loszuprusten. Glücklicherweise war der Zombie von
oben bis unten recht stramm in Frischhaltefolie eingewickelt, was ihn
fast wie eine Mumie erscheinen ließ. Das machte der Engel immer,
wenn sie unter Leute gingen, wegen des Gestanks.
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