Sonntag, 10. August 2008

10. August 2008

Hoch am diesig-blauen Himmel das monotone Gebrumm eines Sonntagsfliegers.

Noch weiter droben ein gleissender Kondensstreifen in einem Bereich, der klarer ist und blauer als der überwiegende Rest des Himmels. Der Jet ist noch bei der Arbeit, scheisst im Eilen nach irgendwo seine weisse Soße aus. Um die Sonne ein regenbogenfarbener Hof, hervorgerufen von Cirren hoch oben in der Stratosphäre.

Die Sonnenstrahlen piesacken meine Schenkel. Das gibt einen unschönen, weil allzu abrupten Übergang von der hellen Haut unter meinen Bermudas zu den verbrannten Beinen. Ich hoffe, es wird nicht gar so schlimm aussehen wie bei den Affen im Zoo mit ihren zu obszönen Ausmaßen und Färbungen mutierten Hinterbacken. Wie können die darauf nur sitzen?

Wäre ich ein Schimpanse, ich würde mir vor Scham aus Bananenblättern einen Lendenschurz basteln; ganz egal was der Zoodirektor davon hielte oder die perversen Affengehegebesucher.

Nebenan in der Pappel rauschen die Blätter.

Unsichtbare Außerirdische rütteln und schütteln an den Ästen, um Wind zu simulieren. Sie tröpfelten seit heute morgen fast unbemerkt vom Himmel herunter, direkt in die Pappel hinein, wie ein Schwarm Stare, die sich für ihre Reise gen Süden sammeln.

Kosmische Lieder gröhlend schienen sie erst noch beratschlagen zu müssen, wieviel Wind sie denn genau simulieren sollten. Die Tollkühnsten votierten für Werte von bis zu 10 Beaufort. Ich musste ihnen erst mit der Faust drohen, ehe sie Vernunft annahmen und sich schließlich auf ein zyklisches Muster einigten, das sich alternierend hauptsächlich auf die Windstärken 5 bis 7 beschränkte.

Bald segelten die ersten Blätter zu Boden, denn es gab schon einige gelbe die ihr Sommerwerk offensichtlich schon vollbracht hatten. Eines landete vor meinen Füßen im Gras, und es war Frühling.

Der Zeitsprung traf mich völlig unvorbereitet. Doch nicht nur ich, auch das gelbe Pappelblatt schien etwas verwirrt.

„Huch“, dachte es so intensiv, dass ich es selbst in meinem Kopf noch vernehmen konnte.

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